Tipps fürs Studium

Studium geschafft – und jetzt?

Mit der Abschlussfeier fängt das wahre Leben erst an. Ein Drittel seiner Lebenszeit hat man gepaukt, sich bemüht und auf diesen Tag hingearbeitet. Doch statt heller Freude tut sich bei vielen ein dunkles Loch auf: die Leere nach dem Studium.
Wie geht es nach dem Studium weiter?

Den Höhepunkt seines bisherigen Schaffens im Leben eines Studenten bildet die Überreichung der Urkunde und des Abschlusszeugnisses. In einem Festsaal, feierlich zelebriert mit Abendgarderobe, Live-Musik und einer Dankesrede des Uni-Dekans, ist es schon ein stolzer Anblick für die anwesenden Freunde und Familienmitglieder. Bei Sekt oder Wein schaut man, überwältigt von verschiedensten Gefühlregungen, auf die vergangenen Jahre zurück, in denen reichlich Schweiß und Tränen flossen. Es hat sich ja gelohnt! Doch auf die Hochstimmung folgt bei vielen Absolventen ein langer Kater des Unwohlseins.

„Wer bin ich eigentlich ohne Studium“

Sebastian steckt genau in einer solchen Situation. Fünfeinhalb Jahre hat sein Studium gedauert – Geschichte und Medien. Jetzt hat er den Master-Abschluss, Note 1,9. Er weiß auch was er später mal machen möchte. Nach einem Praktikum bei der lokalen Radiostation wurde ihm eine Stelle angeboten. Das kann er sich gut vorstellen. Beste Voraussetzungen also, um glücklich zu sein. Möchte man meinen. „Ich weiß gar nicht wer ich bin ohne Studium“, sagt der 24-jährige. „Nicht dass ich der absolute Streber war, aber irgendwas fehlt mir jetzt“. Lange Zeit hat sich Sebastian über sein Studenten-Dasein definiert. Er hatte zum ersten Mal das Gefühl zu einer Gruppe zu gehören. Eine Aufgabe zu haben, die er gerne erfüllt. „Ich vermisse den Alltag eines Studenten und überhaupt das Lebensgefühl. Ohne mein Studium fühle ich mich uninteressant“. So wie Sebastian ergeht es Hochschul-Absolventen häufig. Keine Lust auf Arbeitsstellensuche oder sogar einen Wohnortwechsel. Denn damit gibt man sein altes Leben auf und die Jugendzeit ist endgültig vorbei. Das macht Angst.

Keine Lebenskrise, sondern ein ganz normales Loch

Es versteht sich von alleine, dass Absolventen eine große Leere fühlen nachdem sie insbesondere gegen Ende ihrer Studienzeit durch Prüfungen, Abschlussarbeiten und vielleicht noch einen HiWi-Job mehr als nur ausgefüllt waren. Von einem Tag auf den nächsten hat man dann nicht mehr ganz so viel zu tun, sondern – im Gegenteil – einfach gar nichts mehr. Eine Sinn- und Identitätskrise tut sich auf. Und auch die Sorge vor Statusverlust. Oft klafft dieses Loch auf, weil man nicht weiß, was man mit seinem Leben anfangen möchte. Welcher Job einen wirklich interessiert. Ob das Gelernte aus dem Studium auch im Beruf angewendet werden kann. Viele zweifeln schließlich generell an ihrer Eignung. Diese Unsicherheit wird in Bewerbungen sichtbar, sofern es überhaupt zu diesem Schritt kommt. Gerade die Selbstreflexion vieler Akademiker führt sie in diese schwierige Phase.

Kopf aus dem Sand und die freie Zeit sinnvoll nutzen

Durch die Bologna-Reform sind die neuen Studiengänge straff organisiert. Statt Selbststudium gilt es nun von mündlichen Prüfungen zu Klausuren zu spurten und dazwischen lernen, lernen, lernen. Sich nach dem Studium die Zeit zu nehmen und lang vermisste Aktivitäten wie Partys, Urlaub oder Familienbesuche nachzuholen ist wichtiger als direkt in den neuen Job einzusteigen. Andere Absolventen wie Benjamin haben ihr Studentenleben  in vollen Zügen genossen. Sie nutzen die Übergangsphase idealerweise für Fortbildungen oder kurze Praktika. Insbesondere bei Orchideenfächern eine sinnvolle Entscheidung, um den (Quer-)Sprung auf den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten bringen Erfahrung und schmücken nebenbei den Lebenslauf. Für die meisten dürfte eine Mischung zwischen sinnvoller Freizeitgestaltung und beruflicher Weiterentwicklung optimal sein, um Struktur in den Alltag zu bringen und die leere Phase nach dem Studium zu füllen. Und mit der ersten Jobzusage kommen neben interessanten Kollegen, die auch einmal Studenten waren, viele neue Aufgaben und Herausforderungen hinzu. So stellt sich die bisherige Lebensfreude und Motivation aus der Uni-Zeit von selbst ein.