Tipps fürs Studium

Stressfrei durchs Studium

Studierende kennen das Wort Erholung nur noch aus dem Wiktionary oder der Erinnerung an Schulferien. Seminare von morgens bis abends und „Semesterferien“ sind Prüfungszeit. Doch wer es geschickt anstellt, setzt den Stress in positive Energien um.

Semesterticket abholen, Studiengebühren und Miete überweisen. Den Putzdienst in der WG erledigen und die BAföG-Unterlagen zusammenklauben. Nebst den gesellschaftlichen Verpflichtungen an Familie und Freunde, wie etwa Geburtstage merken und ein passendes Geschenk parat haben, Stammtischabende oder die Großmutter am Sonntag auf Kaffee und Kuchen zu besuchen (gut, dafür gibt es ein nettes Entschädigungssümmchen), haben Studentinnen und Studenten den Kopf ständig voll mit Dingen, die noch erledigt werden müssen. Und das eigentliche Studium mit Vorlesungen, Referaten und Klausuren kommt ja noch dazu.

Jeder Zweite leidet unter Stress im Studium

In Zeiten der Bologna-Reformen mit Turbostudium und Pflichtpraktika bleibt nur wenig Zeit für Muße. Vorbei sind die Semesterausflüge mit dem VW-Bus nach Goa oder zumindest zum Bodensee. Stattdessen herrscht ständige Verfügbarkeit via Smartphone. Da wundert es einen nicht, dass laut einer Erhebung des IGES Instituts Studierende überproportional mehr durch Stress belastet sind als der übrige Bevölkerungsteil. Und nach Angaben des Hochschul-Informations-Systems haben 49 Prozent der Befragten das Gefühl, durch Stress und Belastungen in ihrem Studium beeinträchtigt zu sein. Es kann also jeden treffen. Den Bachelor-Erstsemester-Ethnologen, ebenso wie den langjährigen Diplom-Betriebswirt-Studenten. Und auch die Auswüchse der Stresssymptome könnten unterschiedlicher nicht sein: der eine zehrt an schlaflosen Nächten, während der andere es mit einem leichten Schmerz in der oberen Stirnfalte wegsteckt. Von schweren Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ganz zu schweigen. Dinge, auf die man eigentlich verzichten könnte. Oder?

Wie bitte? Stress ist was Positives?

Stress ist zunächst einmal eine Jahrtausende alte Schutzmaßnahme unseres Körpers, die für unsere evolutionäre Entwicklung unablässig ist. Bedrohliche Situationen für den Menschen –egal, ob es damals der Angriff eines T-Rex war (keine Gewähr auf historische Korrektheit!) oder eben jetzt die anstehende Physikklausur ist – lösen eine chemische Reaktion aus. Unser Körpersystem schüttet Stresshormone aus. Wir versetzen uns in Alarmbereitschaft. Anzeichen dafür sind ein erhöhter Puls oder schnellere Atmung. Der Vorteil: Im Stresszustand erhöht sich unsere geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Ganz ohne Ritalin und andere Modedrogen. Das Problem ist, auf jede Stressphase sollte auch eine Erholungsphase folgen. Gerade in straff gegliederten Prüfungszeiten ist das aber für viele nur schwer zu realisieren.

Freunde und Fitness statt Frust und Fast Food

Positiver Stress fördert unsere Leistungsfähigkeit, steigert unsere Aufmerksamkeit, motiviert zu weiteren Herausforderungen und erhöht nicht zuletzt unser Selbstvertrauen. Hört sich fast zu schön an, um wahr zu sein. Aber mit ein paar einfachen Tipps könnt ihr den negativen Stress tatsächlich vermeiden und in positive Energie ummünzen:

  • Pausen einlegen, Freunde treffen und Hobbies nachgehen. Auch in den heißen Prüfungsphasen solltet ihr euch Zeit für die schönen Dinge des Lebens nehmen, damit ihr den Kopf wieder freibekommt. Manchmal wirken schon 10 Minuten Auszeit Wunder.
  • Sport treiben und gesund ernähren. Egal ob Verein, Fitnessstudio oder ums eigene Haus joggen. Wer sich körperlich betätigt, setzt eine Vielzahl positiver Energien für den Körper frei. Statt Fast Food und Süßigkeiten auch mal zu Obst und Gemüse greifen. Ausreichend Trinken steigert die Leistungsfähigkeit ebenfalls. Gerade für Informatikstudenten, die mit Käsepizza am Bürostuhl festkleben, enorm sinnvoll.
  • Organisation und Disziplin. Wer erst in der Nacht vor der Germanistikklausur mit der Lektüre von Faust I und II beginnt, wird am nächsten Morgen wohl leichten Prüfungsstress verspüren. Deshalb gilt: Schon am Anfang des Studiums oder Semesters mit dem Lernen und Organisieren beginnen. Auch wenn es nicht leicht fällt, weil die Kommilitonen ob der ruhigen Phase zu Beginn lieber ins Schwimmbad gehen, während du im Dunkeln Spinoza zu verstehen versuchst – am Ende zahlt es sich aus.
  • Störfaktoren entfernen. Der ständige Blick aufs Handy, Nachbars‘ Rasenmäher oder der Schlagzeug übende Mitbewohner können einen schon mal zur Weißglut treiben. Suche dir daher ein Lern- und Arbeitsumfeld, in dem du dich wohlfühlst und ungestört bist – etwa in der Unibibliothek.

Wenn allerdings nichts mehr geht und auch mit den Tipps der Stress zu groß ist, solltest du unbedingt Hilfe holen. Zu groß sind die gesundheitlichen Risiken, als dass man sie aus Scham oder falschem Stolz ignorieren sollte. Mittlerweile bieten viele Hochschulen telefonische Beratung bzw. Beratungsstellen sowie Selbsthilfeseminare an. Auch die professionelle Hilfe vom Psychologen sollte in Erwägung gezogen werden, falls alle anderen Mittel nicht greifen. Denn wer bereits im Studium mit Stress umzugehen weiß, hat im späteren Berufsalltag eine große Hürde weniger zu nehmen.