Karriereplanung

Die peinlichsten No-Gos beim ersten Bewerbungsgespräch

Das Schülerpraktikum von Papa organisiert und den HiWi-Job vom Kommilitonen übernommen. Wenn Studenten jedoch zum ersten Mal ein „echtes“ Bewerbungsgespräch durchlaufen, kommen sie auf peinliche Ideen. Wir stellen die häufigsten Fauxpas vor.

Für viele Studenten und Absolventen ist das Vorstellungsgespräch für ein Praktikum oder gar einen festen Arbeitsplatz die erste Situation in ihrem Leben, wo sie sich anständig, formal und seriös verhalten sollen. Wer in Jogginghose zur Vorlesung schlurft oder während des eigenen Seminar-Vortrags ein Käsebrötchen verspeist, weil er lieber ausschläft, anstatt zuhause zu frühstücken, für den ist ein Bewerbungsgespräch mit einem Anzugträger aus der freien Wirtschaft ähnlich anstrengend wie ein Treffen mit der Queen. Das führt mitunter dazu, dass manch junger Akademiker, also die Elite von morgen, besser Gummistiefel angezogen hätte, um während der Fettnäpfchen-Durchquerung im Personalbüro trockene Füße zu bewahren.

Das richtige Maß der Dinge

Als Warm-up und um die Lage so weit wie möglich zu entspannen, bietet sich ein kurzer Small-Talk auf dem Weg vom Empfang zum Büro des Chefs an. Kritik am Unternehmen („Ich hätte nicht erwartet, dass Ihr Büro sich in diesem Gebäude befindet!“) sollte man sich dabei lieber verkneifen. Auch für das Zuspätkommen, was ohnehin schon negativ ins Gewicht fällt, wäre ein Kommentar à la „Auf die Straßenbahn ist kein Verlass mehr“ eher unpassend. Dadurch wird der Blick erst recht auf die eigene Unzuverlässigkeit gelenkt. Besonders initiativ zeigen sich Bewerber, die ohne Aufforderung auf dem Stuhl Platz nehmen. Damit zeigen sie aber leider auch ihre Einstellung zum Gast- und Gastgeber-Verhältnis. Sitzen heißt dann aber auch sitzen und nicht lungern. Im Vorlesungssaal mit 400 Teilnehmern fällt das nicht auf. Hier schon. Also aufrecht und Hände aus den Hosentaschen! Aber nicht, um die Nachricht auf dem Smartphone besser lesen zu können. 

„So’n Hansel am Telefon“

Als gut erzogener Akademikersohn gehört es sich selbstverständlich, möglichst bescheiden aufzutreten – wer in Cambridge studieren zum Ziel hat, muss natürlich auch das britische Understatement verinnerlicht haben. Doch Vorsicht: Wer zu tief stapelt, rückt sich selbst in ein schlechtes Licht. Von seinen Fähigkeiten zu sprechen ist nicht arrogant. Und die Schwächen wird ein erfahrener Personaler ohnehin erkennen, da muss man nicht extra mit dem Finger darauf zeigen.
Zur vermeintlich netten Etikette eines Akademikers gehört auch, bloß nicht zu drängeln. Heißt, nach dem Gespräch erstmal abwarten und Mate-Tee trinken. Man will dem Arbeitgeber ja nicht auf die Nerven gehen. Besser ist es aber nach ein bis zwei Wochen anzurufen und am Ball zu bleiben, Bereitschaft zu demonstrieren.
Zu guter Letzt vergessen junge Bewerber häufig, ihre Mitbewohner über ihr Vorstellungsgespräch zu informieren. Die Folge: Der Arbeitgeber ruft zuhause an, um die frohe Kunde zu überreichen. Durch den Hörer hallt es: „Ey, Stephan! Da ist so’n Hansel am Telefon, der will irgendwas von dir.“

Knigge war auch mal Student

Wer Fehltritte solcher Art vermeiden will, appelliert an seinen gesunden Menschenverstand. Denn im Normalfall weiß man, was sich gehört und was dem Chef ein Rolleyes-Emoticon auf sein Gesicht zaubert. Natürlich kann es vorkommen, dass der ein oder andere Fehler passiert. Schließlich sind Studenten auch nur Menschen und keine Superhelden, auch wenn so mancher Comic-Nerd es nicht wahrhaben will. Eine Aneinanderreihung all der aufgeführten Pannen ist somit also eher unwahrscheinlich. Und wenn doch, ist sie für den Arbeitgeber sicherlich eine unterhaltsame Show an Slapstick-Einlagen. Keine Sorge also, der ehrwürdige Adolph Freiherr Knigge wusste bereits auf was zu achten ist. Und er war schließlich auch Student.